Jan in Bolivien

Erfahrungen aus Bolivien

22. Juni 2010 - WM in Bolivien

Auch wenn Bolivien bei der aktuellen Weltmeisterschaft nicht dabei ist, gibt es im Moment kein anderes Thema. Und wir helfen kräftig mit die Stimmung auf recht zu halten. Pünktlich zum ersten Deutschlandspiel haben wir im Internat der Fundacion einen großen Deutschlandtag veranstaltet. Mit Präsentationen, deutschem Essen und, natürlich, Übertragung des Spiels auf einer Großbildleinwand. Dank des überragenden Auftaktsiegs gegen Australien war die Stimmung nicht zu überbieten. Ein perfekter Tag für einen gelungenen Kulturaustausch! … Übrigens möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass nach Brasilien und Argentinien, die hier traditionell viele Fans haben, Deutschlandtrikots am häufigsten anzutreffen sind. Also, für alle zum mitschreiben: Deutschland ist bekannt und beliebt, und zwar weltweit!!!!

 

Vor Beginn der WM war ich mal wieder auf Entdeckungsreise unterwegs. Diesmal für eine Woche im bolivianischen Dschungel. Von La Paz gings in einem verdammt kleinen, aber zum Glück doch zuverlässigen Flugzeug runter ins Amazonasgebiet nach Rurrenabaque. Von dort sind wir mit dem Boot aufgebrochen zu einem dreitägigen Ausflug durch die bolivianischen Feuchtgebiete. Was sich vielleicht nach erholsamen Natururlaub fernab der Zivilisation anhört, war in Realität ein gefährlicher Überlebenskampf! Das Flussufer war gesäumt von Krokodilen, ca. alle 30 m eins. Zu Anfang hat mir das echt zu denken gegeben, aber nach nur einem Tag, hatte ich mich schon an den Anblick der gemütlich vor sich hinchillenden Amphibien gewöhnt. Auch die so gefürchteten Piranjas haben für mich ihren Mythos verloren. Nach erfolgreichem Angelausflug standen sie nämlich plötzlich auf meinem Speiseplan und nicht ich auf ihrem. So muss das sein, der Mensch an der Spitze der Nahrungskette. Großer Höhepunkt war dann jedoch der Moment als uns unserer einheimischer Führer plötzlich aufforderte doch im Fluss ein wenig zu baden. Baden??? In einem Fluss voller Krokodile und Prianjas?!?! Da denkt man schon zweimal nach bevor man ins Wasser möchte. Aber dann wurden wir doch beruhigt. Als direkt neben dem Boot eine Wasserfontäne emporstieg und eine kleine Rückenflosse auftauchte, wussten wir mit was wir zu tun hatten. Unsere Leibgarde war aufgetaucht, rosa Flussdelphine (ca. 1m lang). Die wundervollen Tiere sind die eigentlichen Herren der Flüsse und halten sogar die Krokodile in Schach. Also nichts wie rein ins Wasser. Aber ein mulmiges Gefühlt blieb trotzdem ….

Danach ging es dann noch für drei Tage direkt in den Dschungel. Wer nicht selbst da gewesen war, kann sich nicht vorstellen was für eine Faszination der unberührte, tropische Regenwald auf einen ausüben kann. Mit der Dunkelheit haben wir einfach unsere Hängematten zwischen zwei Bäumen aufgehangen und die Geräusche des Dschungels auf uns wirken lassen. Affen, Papageien und Taranteln haben wir gesehen, aber der König des Regenwaldes, der Puma, hat sich uns leider nicht gezeigt. Dafür gab es Mücken in Hülle und Fülle und wir alle hatten für min. eine Woche noch genug Andenken an unser Abenteuer am Körper!

25. Mai 2010, Tatsächlich nur noch drei Monate?

Unglaublich wie die Zeit vergeht. Jetzt sollen mir tatsächlich also nur noch drei Monate bleiben?! Nun ja, wird ja auch bald Zeit was anderes zu machen. Zur Abwechslung will ich hier jetzt mal etwas mehr über meine Arbeit schreiben und nicht immer nur Urlaubsberichte veröffentlichen. Im April hatte ich angefangen in der Schule direkt im Klassenzimmer zuarbeiten. Ich wurde gut aufgenommen in der Klasse und die Kinder freuten sich jedes mal mich zu sehen. Viele von ihnen kannte ich auch schon von meiner Arbeit bei der Hausaufgabenhilfe. Die Arbeit hat mir aber trotzdem nicht so gut gefallen, was aber hauptsächlich an der Lehrerin gelegen hat. Die Lehrmethoden entsprechen nämlich in keinster Weise deutschen Standards und bestehen fast ausschließlich aus auswendig lernen und seitenweise Abschreiben. Dabei kam es häufig vor, dass die Kinder Wörter kopieren sollte ohne alle notwendigen Buchstaben zu können. Was dann am Ende unten auf der Seite stand war alles andere als lesbar. Daher kann man auch verstehen, dass viele Kinder nicht besonders motiviert waren und sich viel raufen, bzw. spielen und in der Klasse hin- und herlaufen. Ich wusste daher einen Großteil meiner Zeit dafür aufwenden für Ruhe zu sorgen. Besonders zufrieden war ich mit dieser Situation nicht, aber da die bolivianische Gesellschaft sehr hierarchisch aufgebaut ist, kann man als einfacher Freiwilliger nicht einfach so seine Meinung zu dem Thema preis geben ohne sich sehr unbeliebt zu machen. So etwas geht erst wenn man über einen langen Zeitraum ein gewisses Vertrauen aufgebaut hat. In sofern musste ich mich dann also abfinden mit meiner Arbeitsstituation. Anfang Mai habe ich dann aber wieder meine Stelle gewechselt. Da seit ungefähr eine Jahr ein neues Gebäude für die Schule gebaut wird und zuvor ein altes abgerissen wurde (sehr schlaue Sache!), fehlen im Moment recht viele Unterrichtsräume. Daher wird Vormittags und Nachmittags Unterricht gegeben. Eigentlich sollte das neue Gebäude bis März fertig sein, aber wie es aussieht, verzögert sich das noch bis Jahresende, vielleicht auch länger, da kann man sich hier nie sicher sein. Da die Schüler, die Nachmittags Unterricht haben, nun ja nicht zur Hausaufgabenbetreuung kommen können wurde jetzt beschlossen auf Vormittags diese Betreuung anzubieten. Das wurde von den Kindern sofort super angenommen und so kommen jetzt seit vier Wochen schon um die 30 Schüler Vormittags. Damit sind wir dann auch gut ausgelastet und es macht wesentlich mehr Spass als in der Schule zu arbeiten.

 

Zum Abschluss doch noch ein kleines Wort zu meiner Freizeit. Dass Bolivien eines der letzten echten Abenteuerländer dieser Welt ist, habe ich am Wochenende wieder hautnah zu spüren bekommen. Auf dem Mountainbike ging es 64 km nur steil bergab auf der Deathroad – der Straße des Todes, laut Amerikanischer Entwicklungsbank die gefährlichste Straße der Welt! Was sich so gefährliche anhört, ist in Realität auch nicht harmloser. Allerdings handelt es sich nicht um eine Straße sonder eher einen Sand- und Geröllweg von 3 bis 5 Metern breite der sich an steilen Berghängen von den Gipfeln der Anden bis ins Tiefland hinab schlängelt. Von 4700 m Höhe ging es in nur 4 Stunden bis auf 1200 m runter, vorbei an schneebedeckten Gipfeln, Wasserfällen und immer einen erschreckend tiefen Abgrund neben sich. Da mittlerweile kein Verkehr mehr herrscht auf dieser Strecke, ist die Gefahr deutlich geringe als vor einigen Jahren, als tatsächlich noch Lkws in beide Richtungen fuhren. Kaum vorstellbar! Ich hoffe die Fotos vermitteln einen guten Eindruck von diesem Abenteuer. Ich habs heil überstanden, eine Erfahrung die man nicht vergisst ...

11. April 2010, Emotionale Probleme und ein Flug ins Ungewisse!

 

Ok, für alle die sich angesichts dieser Überschrift schon Sorgen um mich machen: mir geht es gut! Allerdings hat es im letzten Monat ein Ereignis gegeben, dass mir doch etwas zu denken gegeben hat. Aufgrund eines neuen Gesetzes des bolivianischen Präsidenten Evo Morales müssen sich alle Ausländer, die mit Kindern arbeiten einem psychologischen Gutachtens unterziehen. So musste auch ich drei Mal mich mit den Tests und Fragen bei einem Psychologen herumärgern. Als ich dann bei der abschließenden Besprechung wissen wollte, ob ich denn jetzt weiter arbeiten dürfe, wurde mir gesagt, diese Information sei streng vertraulich und man können mir das nicht sagen. So so, aus Datenrechtsgründen interessiert mich jetzt aber schon, warum denn jemand anderes das wissen darf, aber ich nicht. Naja, egal! Ich hatte mich schon gefreut mich endlich wieder meiner Arbeit widmen zu können, als mir mitgeteilt wurde, dass die Tests jedoch ganz eindeutig gezeigt hätte, dass ich schwere emotionale Probleme hätte! Ich war total geschockt, wie können die denn etwas wissen, wovon ich selbst keine Ahnung hab. Zum Glück wurde mir aber auch gleich Hilfe angeboten: ich können natürlich jederzeit wieder kommen um mit einem Experten zureden. Wie viel denn eine Stunde kosten solle, habe ich in dem Moment gar nicht gefragt, dafür war ich noch viel zu verwirrt. Dieser Zustand hielt zum Glück aber nicht lange an. Nachdem ich mit den anderen Freiwilligen gesprochen hatte, wurde ziemlich schnell klar, dass wir alle nur verarscht wurden: ein jeder von uns hatte emotionale Probleme, innere Konflikte oder etwas ähnlich. Leben tun wir alle noch, obwohl niemand sich einem Experten anvertraut hat. Tja, an uns gabs nichts zu verdienen …. Dazu fällt mir noch eine weitere kuriose Geschichte ein. Anfang März wurde wieder einmal das ganze Land durch einen Streik aller Busfahrer lahm gelegt. An sich nichts Ungwöhnliches, allerdings geht es dabei normaler Weise um Geld. Diesmal jedenfalls nicht: die Regierung hat ein neues Gesetz verabschiedet, dass es allen Busfahrern verbietet betrunken ihre Fahrzeuge zu steuern! Im Ernst, ihr habt euch nicht verlesen! Die bisherige lächerlich geringe Geldstrafe hat dazu geführt, dass in der Realität die Busfahrer im Prinzip straffrei betrunken fahren durften. Und einige haben das auch getan. Ich hab es gesehen, aber zum Glück nicht selbst miterlebt. Auf alle Fälle wurde die Strafe jetzt auf Lizenzentzug und Gefängnisstrafe erhöht, was natürlich einen riesigen Wirbel produziert hat. Na klar, ich würde da auch protestieren, wenn mir jemand das Grundrecht „alkoholisiertes Fahren“ rauben will ;) … zum Glück haben die Busfahrer nach drei Tagen aussichtslosen Streiks das Gesetz aber doch anerkannt!

Arbeitstechnisch habe ich jetzt angefangen direkt in der Schule zuarbeiten. Vormittags helfe ich der Lehrerin einer ersten Klasse ihre Schützlinge wenigstens etwas unter Kontrolle zu halten. Allerdings bin ich von dem Unterricht zu Anfangs echt schockiert gewesen. Die Kinder müssen Seitenweise Wörter kopieren ohne überhaupt die nötigen Buchstaben zu kennen. Da ist es kein Wunder, dass das, was am Ende unten auf der Seite steht, längst kein lesbares Wort mehr ist. Und auch die Motivation der Kinder ist daher nicht unbedingt die Beste. Wie gut, dass die Lehrerin mit ihrem Stock und leichten Schlägen schnell wieder für Ruhe sorgen kann und wenn das nicht reicht, wird auch schon mal gedroht den Kindern „die Ohren abzuschneiden“! Bei solchem Druck lernt es sich gleich viel schneller, da können wir noch viel lernen von Bolivien!

 

Urlaub Paraguay

 

Da Bolivien noch ein stark katholisch, konservatives Land ist, gibt es hier traditionell auch noch mehr Feiertage. Als Freiwilliger und Reiseabenteurer muss man das natürlich eiskalt ausnutzen und so bin ich in der Osterwoche (Feiertag hier sind der Donnerstag und Karfreitag) wieder auf Reisen gegangen. Zusammen mit drei weiteren Freiwilligen wollte ich nach Paraguay fliegen, doch in Südamerika kommt nichts so wie man es plant. Weil die anderen im Verkehr feststeckten, fand ich mich urplötzlich in der ungemütlichen Situation alleine und ohne Plan im Flugzeug nach Asuncion, Paraguay, zu sitzen. Eine große Herausforderung dachte ich mir, aber nichts unmögliches. Allerdings machte ich mir schon Gedanken wie ich denn abends um 22:00 alleine in einer unbekannten Südamerikanischen Großstadt sicher zu einem guten Hotel kommen sollte. In letzter Minute hatte mir Viktor, einer der anderen Freiwilligen, allerdings noch die Handynummer einer Freundin aus Asuncion gegeben. Er meinte vielleicht könnten wir alle dort übernachten, aber es hörte sich für mich sehr unkonkret an; ein Plan D höchstens. Zum Glück hab ich aber doch dort angerufen, denn was dann passierte ist ein unglaubliches Beispiel für Gastfreundschaft. Die ganze Familie wartete schon am Flughafen mit der Absicht vier deutsche Freiwillige abzuholen. Als ich ihnen dann erklären musste, dass leider nur ich angekommen bin und Viktor, der einzige, den sie persönlich kannten, noch immer in Bolivien sei, wurde ich trotzdem sofort herzlich aufgenommen. Daraufhin blieb ich drei Nächte im Haus dieser Familie, die mir mit dem größten Enthusiasmus die Stadt und die besten Restaurants zeigte. Mit zweitägiger Verspätung kamen aber auch endlich die anderen an und wir machten uns am 30. März auf den Weg in Richtung Wasserfälle von Iguazu. Was kann ich sagen über diesen Tag, meinen 20. Geburtstag? Ich bin morgens in Asuncion, Paraguay, aufgestanden und abends in Foz do Iguazu, Brasilien, zu Bett gegangen. Wer kann das schon von seinem 20. Geburtstag behaupten? Auch wenn ich an dem Tag nicht viel gemacht habe, die Erlebnisse der folgenden Tage haben mich doch ausreichend entschädigt. Die Wasserfälle von Iguazu an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien müssen eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele dieser Welt sein. Ich versuche erst gar nicht mit Worten zu beschreiben was ich gesehen habe, sondern verweise einfach auf die Fotos und Videos, die ich hochgeladen habe. Nach diesen Erlebnissen haben wir die letzten zwei Tage noch mal ganz in Ruhe bei unserer paraguayanischen „Gastfamilie“ in Asuncion verbracht. Bei unserer Rückkehr nach Cochabamba wurden wir dann nochmal mit einem typisch bolivianischem Problem konfrontiert. Es war wieder einmal Wahltag im Land, diesmal für alle Bürgermeister. Grund genug natürlich um den gesamten Verkehr für einen Tag einfach zu verbieten. Bis wir eines der drei Taxis bekamen, die eine Erlaubnis zum fahren hatte, vergingen einige Stunden. Wer sich jetzt fragt, warum es denn keinen Verkehr gab, für den hab ich folgende Erklärung: das ist angeblich die wirksamste Methode um zu verhindern, dass die Menschen in einem anderen Wahllokal noch ein zweites Mal wählen. Denn um dahin zu laufen sind die mit Sicherheit viel zu faul … von Bolivien kann man echt noch was lernen!

15. Februar 2010   Faszinierende Traumwelt

Seit langen hab ich mich nicht mehr gemeldet und jetzt weiß ich nicht wo ich anfangen soll. Arbeitstechnisch war der Januar eher langweilig. Da die Kinder alle noch in den Ferien sind hatten wir nicht allzu viel zu tun außer die Wände neu zu streichen und alle Materialien komplett neu zu sortieren sowie unseren Unterricht vorzubereiten. Aber jetzt der interessante Teil: ich bin gestern erst aus meinem Urlaub zurückgekehrt und kann immer noch nicht ganz fassen was ich da eigentlich erlebt habe: Pazifik, Atacama-Wüste, den größten Salzsee der Erde, die Schatzkammer des spanischen Kolonialreichs und UNESCO-Weltkulturstädte …

Aber zum Anfang. Ende Januar hatte wir unser obligatorisches Zwischenseminar von Anmtena. Zum Glück für uns Bolivianer war der Tagungsort das beschauliche Städtchen Arica an der chilenischen Pazifikküste. Das war eine gute Abwechslung zu dem ja leider küstenlosen Bolivien. Über fünf Tage haben wir uns mit 20 anderen Freiwilligen aus Peru und Chile über unsere Erfahrungen ausgetauscht und dabei interessant Einblicke in die anderen Projekte von Amntena erhalten. Natürlich hatten wir auch Zeit um die herrlichen Wellen des Pazifiks zu genießen. Nach dem Seminar ging es dann aber richtig los. Mit drei anderen Freiwilligen aus Cusco, Peru, habe ich mich in den Nachtbus nach San Pedro de Atacama gesetzt und bin morgens in einer anderen Welt aufgewacht. San Pedro ist eine kleine Oase mitten in der trockensten Wüste der Welt, ein Ort in dem es mehr Touristen gibt als Einwohner (nur 2000). Die faszinierende Landschaft der Atacamawüste versprach Abenteuerurlaub pur. Von Baden im salzigsten See der Welt, in dem man sich einfach so treiben lassen kann, über Mountainbiking durch die Wüste und Sandboarding haben wir in nur zwei Tagen ein echt anstrengendes Programm absolviert. Verschärft wurde das ganze noch dadurch, dass das Wasser im Hostal ständig rationiert war und wir abends nicht mehr den Sand aus den Haaren duschen konnten. Aber gelohnt hat es sich auf alle Fälle und zum kröhnende Abschluss gab es den schönsten Sonnenuntergang den ich je in meinem Leben genießen durfte. Ich hab versucht das für euch festzuhalten, aber Fotos können so etwas einfach nicht wiedergeben.

Am nächsten Morgen wurden wir dann im Bus bis zur bolivianischen Grenze auf 5000 m Höhe gebracht von wo aus das nächste Abenteuer begann. Im Jeep drei Tage lang durch den bolivianischen Südwesten vorbei an atemberaubenden Landschaften aus einer fernen, fernen Welt. Entlang der Andenkordilere, wo sich ein Vulkan an den nächsten reiht, besuchten wir farbenfrohe Lagunen die wie eine Fatamorgana aus der Wüste auftauchen. Unsere einzige Gesellschaft waren rosa gefärbte Flamingos und grau-braune Lamas. Die Übernachtung auf fast 5000 m Höhe hat dem ein oder anderen auch schon mal den Atem geraubt, denn die berüchtigte Höhenkrankheit gibt es tatsächlich. Aber zum Glück hat es niemanden stark erwischt, außer mit Kopfschmerzen und Schwächegefühlen. In der zweiten Nacht waren wir dann auch nur noch auf 3800 m Höhe und konnten erholter schlafen. Übrigens in einem Hotel komplett aus Salz gebaut, von den Wänden bis zum Stuhl. Warum? Weil wir jetzt schon ganz dicht dran waren am Höhepunkt der Reise, am Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Erde. So weit das Auge reicht rundherum nur weis. Eine Erfahrung, einfach unbeschreiblich. Danach ging es dann weiter ins Villa Imperial, die Stadt, die der Welt am meisten gegeben hat: Potosi mit seinen Silberminen hat über 300 Jahre lang den Staatshaushalt des spanischen Imperiums finanziert. Ein Besuch in den Silberminen ist daher Pflicht aber nicht ganz ungefährlich. Gebückt durch jahrhunderte alte Stollen zu kriechen ist nicht jedermanns Sache, aber durch aus das Abenteuer wert, zumal man sich auf dem Minenmarkt vorher noch mit Dynamit ausrüsten kann … das man dann allerdings lieber an die Bergleute verschenkt anstatt selbst zu zünden! Von Potosi gings weiter in die Hauptstadt des Landes: die Kolonialpracht Sucre. Die UNESCO-Weltkulturerbestadt ist die Perle Südamerikas und mit seinen zahlreichen Plätzen und weißen Kirchen ideal um zu entspannen. Und die diese Entspannung hatten wir auch bitter nötig, denn was am Wochenende folgte war Stress pur. Karnaval in Oruro, der größte Boliviens mit zahlreichen Tanz- und Musikgruppen zieht einfach jeden in seinen Bann und ist eine riesige, drei Tage lange Party. Geschafft und überwältigt von all diesen Erlebnissen bin ich dann am Sonntagabend erschöpft, aber glücklich wieder in Cochabamba angekommen um mich wieder der harten Arbeitsrealität zu stellen.