Aktuelles aus Bolivien
14. Juli 2010 – Abenteuer Peru
Sechs Wochen bleiben mir noch bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland. Ich kann´s kaum glauben. Aber immerhin kann ich mich jetzt frisch erholt in die letzte Phase stürzen … naja, mehr oder weniger. Denn das was ich in den letzten zwei Wochen gemacht hab war eigentlich recht anstrengend! Ich nenne es mal eine Kultur- und Bildungsreise durch Peru:
Zuerst ging es mit dem Bus ca. 24 Std von Cochabamba bis nach Arequipa in Südperu. Dies war der Startpunkt für unsere Expedition, die Sven, mein Mitfreiwilliger, und mich durch halb Peru führte. Nach einem recht erholsamen Sonntag samt Stadtbesichtigung und einer hervorragenden Demütigung der englischen Nationalmannschaft, die wir stilgerecht in einem britischen Pub verfolgten, ging es los zur ersten großen Herausforderung: zwei Tage wandern im Colca Canyon, zweitgrößte Schlucht der Welt. Durch atemberaubende Landschaft und vorbei an schneebedeckten Gipfeln machten wir uns am ersten Tag auf einsamen Pfaden auf den Weg ins Tal der Schlucht. Nach einer erholsamen Nacht kam dann der schwierige Teil: der Aufstieg vom Tal (auf 2000m) hinauf zum Rand ( 3300m ). Eine Wanderung die man so schnell nicht vergisst. Unserer Führer hat uns sogar angeboten, dass man auch auf einem Esel hochreiten könne … lächerlich, diese Herausforderung haben wir zu Fuss gemeistert, auch wenn es wirklich anstrengend war. Oben angekommen erzählte uns der Führer, dass das mit den Eseln kein Witz sei, häufig hätte er Touristen, die den Aufstieg nicht schaffen. Einmal hatte sogar zwei dicke Amis, die selbst von den Eseln nicht mehr getragen werden konnte … wie die aus dem Canyon wieder raus gekommen sind wollte er uns allerdings nicht verraten.
Nächstes Ziel auf unserer Reise entlang der Küste war Nazca. Dieses verschlafene Nest an dem Panamerican Highway ist eigentlich keinen Blick wert, doch es gibt hier etwas besonderes: die Linien von Nazca. Diese Linien bilden riesige Bilder im Wüstensand, ein archäologisches Rätsel aus der Vorinkazeit. Es versteht sich von selbst, dass wir natürlich einen Rundflug machen mussten. Die Eindrücke dieser Bilder, die verschiedene Tiere wie einen Affen, Kolibri und eine Spinne zeigen, sind zutiefst fasziniered und regen zum nachdenken an.
Weiter gings immer Richtung Norden nach Ica, einer Oase in der Wüste. Perus Küste besteht überwiegend nur aus Wüste, die sich von den Anden im Osten bis zum Pazifik im Westen erstreckt, unterbrochen nur ab und zu von fruchtbaren Flusstälern. Hier in Ica gibt es eine Besonderheit: die größten Sanddünen Südamerikas. Ein Gefühl wie in der Sahara, atemberaubend! Natürlich haben wir die Möglichkeit genutzt und sind mit dem Sandboard auch sofort einige Dünen hinab gefahren.
Bevor wir dann die Hauptstadt Lima erreichten blieb uns noch Zeit um schnell in Pisco an der Küste halt zu machen. Dort wo die Wüste auf den Pazifik trifft erscheint alles auf den ersten Blick äußerst lebensfeindlich. Doch bei einer Bootsfahrt raus auf den Ozean merkt man schnell, dass es hier von Leben nur so wimmelt. Denn hier fließt der kalte Humboldtstrom mit seinem nährstoffreichen Wasser vorbei. Die kleinen Inseln vor der Küste sind überfüllt mit Seelöwen, Pinguinen und Seevögeln. Ein beeindruckendes Schauspiel.
Ebenso beeindruckend, wenn auch in einem eher negativen Sinn, ist Lima, die Hauptstadt des ehemaligen spanischen Kolonialreiches in Südamerika. Endlos lang ziehen sich die Slumgebiete in den Vorstädten hin. Um so krasse ist dann der Gegensatz, wenn man endlich in Miraflores, einem der besten Stadtteile ankommt: riesige Einkaufszentren, große Alleen, saubere Parks und massenweise Fast-Food Restaurants. Man fühlt sich eher wie in den USA als wie in Peru. Die 8-Millionen-Metropole ist ein Stadt der Kontraste. Auch die schöne Altstadt aus Kolonialzeiten ist noch wunderbar erhalten. Hier auf dem Hauptplatz gab es sogar ein offizielles FIFA-Fan-Fest zur WM in einmaliger historischer Atmosphäre. Das haben wir natürlich genutzt um zu feiern wie die deutsche Elf Argentinien demontiert hat. Besonderer Höhepunkt: nach dem Spiel hat das peruanische Fernsehen, alles Gringos in Deutschlandtrikot zum feiern auf die Bühne geholt und unseren Siegestaumel nach ganz Peru ausgestrahlt. Super! Bei so viel Party kam aber auch das Kulturprogramm nicht zu kurz, ich war ja schließlich auf Bildungsreise. Von all den Museen, die ich in Peru besucht habe, sticht eines besonders heraus, das beste von allen: das Goldmuseum von Lima. Es besticht mit einer einzigartigen Sammlung von Goldartefakten aus allen Epochen der Vorkolonialzeit. Die pure Masse an Gold ist einfach überwältigend.
Die Hauptstadt war dann der Wendepunkt unserer Reise. Von nun an ging es wieder gen Süden und nach einer anstrengenden, weil langwierigen Überquerung der Anden kamen wir nach 24 Std am letzten Ziel unserer Reise an: Cusco, Nabel der Welt, Hauptstadt des untergegangenen Inkareiches. Da hier auch einige Amntenafreiwillige arbeiten, haben wir uns sofort bei diesen einquatiert und eine professionell Stadtführung bekommen. Cusco ist umgeben von zahlreichen Inkaruinen und man kann hier ohne Probleme mehrere Tage nur mit denen verbringen. Aber Cusco ist der Touristenmagnet Südamerikas aufgrund von etwas anderem: Machu Picchu, die verlorene Stadt der Inka. Diese gut 80 km weiter nördlich gelegene Ruinenstadt wurde von den Spaniern nie gefunden und daher auch nie geplündert oder zerstört. Gelegen auf einem Berggipfel auf nur noch 2400 m Höhe im schon tropischen Teil Perus besticht Machu Picchu mit der Schönheit seiner seiner einmaligen Szenerie. Morgens tauchen die Ruinen ganz langsam aus den Nebelschwaden auf wie eine verwunschene Geisterstadt, um dann zur Mittagszeit in der vollen Sonnen die Besucher in ihren Bann zu ziehen. Einen fantastischen Blick hat man, wenn man den hinter der Stadt gelegenen Berg besteigt. Auf schmalen Inkatreppen, vorbei an schwindelerregenden Abgründen hinauf zum Gipfel überkommt einen ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und Abenteuerlust; wer weiß wie viele Inkastädte noch im dichten Dschungel schlummern. Entdeckt sind noch längst nicht alle.
Nach diesem Highlight unserer Reise war ich äußerst zufrieden, aber auch recht erschöpft. Und ich muss sagen, auf der Rückreise habe ich mich tatsächlich ein bisschen gefreut auf mein „zu Hause“, auf Cochabamba. Natürlich in dem Wissen, dass ich in sechs Woche dann tatsächlich nach Hause darf ...
